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Tarabya-Medaille an Gerhard Schröder

tarabya bagis redeDie Deutsch-Türkische Gesellschaft hat am Donnerstag erstmals die von ihr gestiftete Tarabya-Medaille verliehen. Preisträger ist der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder wegen seiner Verdienste um die Deutsch-Türkische Freundschaft. Der Präsident der Gesellschaft, Dr. h.c. Gerd Andres, Staatssekretär a. D. sagte, dass sich die Arbeit der noch jungen Vereinigung auf die Entscheidungsträger in der Mitte der deutschen Gesellschaft konzentriere. Man wolle intensiv für die deutsch-türkische Freundschaft und bessere gegenseitige Information arbeiten.

Die Laudatio hielt der türkische Europaminister Egemen Bağış, der Schröder insbesondere für sein Engagement in den EU-Beitrittsverhandlungen sehr lobte. Zudem ging er in seiner Rede auf die Folgewirkungen des türkischen Verfassungsreferendums ein. Es sei eine Abstimmung für mehr Demokratie, Meinungsfreiheit und wirtschaftlichen Wohlstand gewesen, kein Sieg der Regierung oder gar die Niederlage der Opposition. Das Referendum sei ein zentraler Baustein auf dem Weg in die Europäische Union. Man erwarte nun deutliche Bewegung im Verhandlungsprozess. Er hoffe, dass in der Frage der Einreisevisa die Türkei nicht schlechter behandelt werde als osteuropäische Länder. Alles andere wäre eine »Schande«. Bağış betonte, die Türkei wolle keine Privilegien, sondern lediglich keine Benachteiligungen und die Einhaltung von Zusagen: »Pacta sunt servanda!« Im Übrigen sei eine Vollmitgliedschaft der Türkei im Interesse Deutschlands.

Dies griff Preisträger Schröder in seiner Erwiderung auf und wies darauf hin, dass die Türkei im Vergleich zu manch anderen neuen EU-Mitgliedsländern nicht zuletzt ökonomisch besser dastehe. Schröder lobte zudem die Grundsatzrede von Bundespräsident Wulff als »bleibenden« Beitrag zur Integration. Es sei »wahrlich bedeutend« angesichts aktuell vernehmbarer »Relikte aus migrationsfeindlicher Vergangenheit«, wenn der Präsident darauf hinweise, dass er auch der Präsident der deutschen Muslime sei. Schröder betonte, welche fundamentale Bedeutung eine möglichst baldige Vollmitgliedschaft der Türkei in der Union ökonomisch und sicherheitspolitisch habe. Nur wenn dies gelänge und zusätzlich Russland eng mit der EU assoziiert werde, könne Europa in Zukunft neben den USA und Asien unter Führung Chinas eine bedeutende Rolle spielen.

Der Tarabya-Preis ist nach einem Stadtteil Istanbuls benannt, in dem der ausgedehnte deutsche Botschaftspark liegt. Das »Kleinod am Bosporus«, ein Geschenk des osmanischen Herrschers Abdülhamid II. an das Deutsche Reich (1880), war zunächst im osmanischen Reich die Sommerresidenz des deutschen Botschafters. Nach dem Wechsel des Regierungssitzes unter Mustafa Kemal Atatürk nach Ankara und dem damit verbundenen Umzug der Botschaft, verblieb das Gelände als Dependanz der Botschaft in Istanbul. Da die ursprüngliche Schenkung zweckgebunden war, ließ sich bis heute keine adäquate Verwendung finden und die Gebäude wurden nur mäßig instand gehalten. Erst durch den ehemaligen Botschafter und heutigen Staatssekretär Born, der sich verstärkt um eine Renovierung bemühte, gelangte die herrliche Anlage wieder in das Blickfeld der Regierung. In der Amtszeit von Außenminister Steinmeier wurde eine Idee geboren, die Steinmeier zu seiner Sache machte, die Anlage im Stile der Villa Massimo zu einer Begegnungsstätte für Künstler auszubauen. Die türkische Regierung willigte ein und der Bundestag beschloss die Umsetzung. Erste Gelder sind nun freigegeben worden, konnte die ehemalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt als Mitglied des Kulturausschusses zufrieden vermelden.